25. November 2009

Nur noch Schatten ihrer selbst

An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei etwas ausufernde, aber dennoch absolut lesenswerte Artikel auf Dreisechzig.net hinweisen. Boris Schneider-Johne, seines Zeichens Product Manager für die Xbox Plattform bei Microsoft Deutschland, nimmt im ersten Post einen imo recht zweifelhaften Anspruch vieler Spielepublikationen (Print und Online) auseinander, um sich anschließend dem Thema Wertungen in Spieletests zu widmen.

Beide Posts gehen - wie meistens - mit meiner persönlichen Meinung d'accord. Insbesondere unter den letztverlinkten Post würde ich ohne zu zögern meinen George Washington setzen. Denn was einige Spielemagazine, die eigentlich schon lange den Anspruch, eine wirklich gehaltvolle und vor allem niveauvoll geschriebene Kritik zu veröffentlichen, aufgegeben haben, abliefern, passt teilweise auf keine Kuhhaut mehr! Mir fallen da insbesondere zwei einst große Vertreter der deutschen Spielemagazin-Landschaft ein: GameStar, die ich selbst von 1999 bis Ende 2008 im Abo hatte, und PC Games.

Die GameStar war unter der Federführung von Jörg Langer mein absolutes Leiblingsmagazin zum Thema PC-Spiele. Dann verabschiedete sich der Gute in die Selbstständigkeit und ein gewisser Gunnar Lott übernahm. - Und merkwürdigerweise erreichte das Heft fortan nie mehr Auflagenzahlen wie noch unter Langer. Klar, das mag auch an der zunehmenden Abwanderung der Zielgruppe ins Netz gelegen haben, dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass auch sein Stil sowie die unglückliche "Neuausrichtung" (Wertungssystem, sogenannte "Redakteure" mit dem Hang zur Selbstdarstellung und Entwickler-Bashing) des Hefts Gründe für den Schwund an Auflage und Abonnenten waren. Wer aktuell den Posten des Chefredakteurs inne hat, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Interessiert mich aber auch nicht wirklich... - Sympathieträger Michael Trier, oder?

Ein ähnliches Bild kann man im Fall der PC Games, immerhin einst Europas meistgelesene PC-Spielezeitschrift, zeichnen. Ein paar unglückliche Personalabgänge hier, zweifelhafte Veränderungen dort, - das eigene Grab war ausgehoben. Mittlerweile krauchen beide Magazine in Auflagenregionen rum, über die man sich vor 5 Jahren noch lustig gemacht hätte und mal ehrlich: sooo rosig laufen die Webableger auch nicht. Während auf PCGames.de quasi nur noch intensives Crosslinking zu weiteren Computec-Sites betrieben wird, hat man auf GameStar.de den Eindruck, Artikel werden nur noch aus dem Grund lieblos hingeklatsch, um mit "Reizthemen", die der Redaktion natürlich bestens bekannt sind, massig Klicks über die Kommentare zu generieren. Mich würde ja wirklich mal die Meinung von Jörg Langer interessieren, wie er sein "Baby" GameStar inzwischen wahrnimmt.

Dass es auch anders geht beweisen ausländische Publikationen wie die grandiose Edge aus Großbritannien oder auch GamePro aus den USA, obwohl letztgenannte ebenfalls zum IDG-Imperium gehört, der in Deutschland bekanntlich unter anderem GameStar und GamePro (übrigens ebenfalls nur noch ein Schatten ihrer selbst) verlegt. Insbesondere die Edge bietet dem geneigten Leser stets seriöse Spielekritiken, Kolumnen, die ihren Namen noch verdienen, und gehaltvolle Magazinstrecken. - So stelle ich mir gut gemachten Spielejournalismus vor!

So, aber nun bitte die beiden oben verlinkten Posts von Boris lesen, ja? ;)